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Informationen über Schädlinge und Gegenmaßnahmen!

Der frühe Kastanienwickler

Buchelwickler

Der späte Kastanienwickler

Der Eßkastanienbohrer

Die Kastaniengallwespe

 

Der Frühe Kastanienwickler

(Pammene fasciana)

Wirtspflanzen
: Kastanie, Ahorn, Eiche Buche

Der Falter hat eine Flügelspannweite von 13 – 17 mm und ist von bleigrauer Grundfarbe, auf dem Innenrand der Vorderflügel befindet sich ein weißlicher Fleck. Seine Flugperiode erstreckt sich von Anfang  Juni bis Anfang September.
Wenige Tage nach ihrem Schlüpfen legen die Weibchen ihre Eier vornehmlich auf die Oberseite der Blätter, seltener an die Fruchtbecher. Nach 8 – 10 Tagen schlüpfen die Räupchen, die anfangs gangförmig im Blatt fressen, nach wenigen Tagen aber in den Fruchtbecher eindringen.

Der Befall ist leicht an den Kotkrümeln über der Einbohrstelle festzustellen, weiters ist auch ein lockeres Gespinst zwischen den Hüllblättern zu erkennen. Meistens bohrt sich eine Raupe im Verlaufe ihrer Entwicklung in weitere Fruchtbecher ein (Bis zu 5 – 6). Schließlich verläßt die Larve die Frucht und spinnt sich in einem Borkenriß am Stamm oder an einem  dickeren Ast, zuweilen auch unter Moosbewuchs am Stamm einen Kokon, in dem sie überwintert.

Die Verpuppung erfolgt im April/Mai des darauffolgenden Jahres. Der Raupenfraß hindert die Ausbildung der Früchte. Diese verfärben sich braun, vertrocknen und fallen vorzeitig ab. Die ersten befallenen Früchte am Boden kann man in der Regel ab Anfang August beobachten. Vereinzelt leben Raupen auch in erntereifen Früchten.

Schadbild des frühen Kastanienwicklers

Bekämpfung: Eine Bekämpfung dieses Schädlings ist sicher chemisch möglich, wie bei der Obstmade im Obstbau.

Vorbeugende Maßnahmen wären das Aufstellen von Saftfallen oder das Verwirren mit Pheramonen, die eine Begattung der Waibchen verhindern. Muß jedoch erst erprobt werden!

Damit der Fruchtfraß nach der Ernte nicht weitergeht, empfiehlt sich ein mehrtägiges Wasserbad, dabei geht der größte Teil der Maden ein und man kann die toten Maden auf der Wasseroberfläche sehen.

Der Buchelwickler (Cydia fagiglandana)
 
Wirtspflanzen: Kastanie, Buche Eiche, Haselnuß

Der Falter dieser Art hat eine Flügelspannweite von 10 – 19 mm, die Vorderflügel sind von aschgrauer Farbe und nach Art eines Fischgrätenmusters hell quergestreift. Die Flugperiode erstreckt sich von Mitte Juli bis Ende August (etwa 30 – 35 Tage).

Die Weibchen legen die Eier an die jungen Fruchtbecher. Nach dem Schlüpfen bohren sich die Eiraupen in die  Frucht ein. Gegen Ende August beginnen die ersten befallenen Früchte, noch vor der Reife, abzufallen, vor allem aber im September findet man die von dieser Wicklerart geschädigten Kastanien am Boden. Der Befall ist von außen nicht leicht festzustellen, da, solange der Kastanienigel geschlossen bleibt, die Kotkrümel im Inneren eingeschlossen sind. Um den Befall festzustellen, müssen die Igel geöffnet werden.

In der Regel befällt eine Raupe nur eine Frucht. Nach 20 – 30 Tagen ist die rötliche Larve fertig entwickelt, wandert aus den Früchten aus und spinnt sich in einen Kokon im Boden oder in morschem Holz zur Überwinterung ein. Gelegentlich erfolgt die Überwinterung auch am Stamm.

Der Späte Kastanienwickler

 (Cydia splendana)

Wirtspflanzen: Kastanie, aber auch Eiche, Buche, Walnuß.

Diese Art wird als der eingentliche Kastanienwickler bezeichnet, da sie vornehmlich an der Edelkastanie lebt. Sie hat ihre Aktivitätsperiode später als die vorherigen Arten und wird deshalb gelegentlich auch als „Später Kastanienwickler“ bezeichnet.
Der  Falter hat eine Flügelspannweite von 16 – 19 mm, die Vorderflügel sind weiß bis bräunlichgrau  mit gräulicher Streifung.

Die Flugperiode erstreckt sich von Mitte August bis Mitte September, gelegentlich auch noch bis nach der Ernte. Die Eiablage erfolgt einzeln auf die Blätter oder an die jungen Früchte. Nach 10 – 15 Tagen schlüpfen die Räupchen, bohren sich in die Früchte ein und höhlen diese völlig aus; sie sind schließlich ganz mit Kot ausgefüllt. Viele Früchte fallen vorzeitig ab. Hier verlassen die fertig entwickelten Raupen die Kastanie und überwintern in ein Kokon in der Erde oder in Rindenritzen. Die Verpuppung erfolgt im darauffolgenden Frühjahr.

Der Befall ist äußerlich an noch geschlossenen Kastanienigeln nicht festzustellen, erst nach dessen Öffnung kann man den Befall erkennen. Bei häufig eintretendem Massenbefall kann der Kastanienwickler beachtliche Schäden am Fruchtertrag verursachen.



Gegenmaßnahmen

  • Die Bekämpfung der drei Wicklerarten ist schwierig. Eine chemische Bekämpfung ist wegen der großen Bäume technisch aufwändig. Es könnten aber die gleichen Mittel wie beim Obstbau gegen Obstmade eingesetzt werden, falls sie für den Kastanienanbau zugelassen sind.
  • Befallene Früchte auch mit einsammeln und dann vernichten.
  • Gesammelte Kastanien nach dem Einsammeln in ein Wasserbad geben. (Siehe Lagerung) Dabei gehen die Raupen zugrunde.
  • Mittels Pheromonfallen kann  das Auftreten festgestellt werden. Eventuelle Gegenmaßnahmen können frühzeitig gemacht werden.
  • Die Verwirrungsmethode würde auch hier den Schaden in Grenzen halten. Geeignete Dispencer müssen aber noch getestet werden.

Der Eßkastanienbohrer ( Curcullio elephas)

Der etwa 6 – 9 mm große Käfer gehört zu den Rüsselkäfern, d.h. er besitzt einen deutlich erkennbaren dünnen „Rüssel“, auf dem die Mundwerkzeuge sitzen. Sein schädliches Auftreten ist praktisch im gesammten Verbreitungsgebiet der Edelkastanie festzustellen.

Die sehr ortstreuen Käfer schlüpfen von Juni bis Anfang August und stechen die Hauptnerven der Blätter und Früchte an, deren Saft sie dann saugen. Nach etwa 8 – 10 Tagen sind sie geschlechtsreif. Die Eiablage auf den Kastanien erfolgt von August bis in den Oktober.

Ein Weibchen legt etwa 20 Eier, gewöhnlich nur ein Ei je Frucht. Die Entwicklung der Larven dauert im Herbst etwa 4 – 6 Wochen. Die frisch geschlüpfte Larve dringt in die Frucht ein und ernährt sich von dessen Inhalt. Die ausgewachsenen Larven verlasser die vorzeitig abgefallenen Kastanien (an großen Ausbohrlöchern erkennbar) von Oktober bis Mitte November und bohren sich zur Überwinterung oft bis 30 cm tief in die Erde ein. Die Verpuppung erfolgt im darauffolgenden Jahr (Juni – Juli).

Manche Larven können auch überliegen und erst 2 – 3 Jahre später verpuppen bzw. als Käfer schlüpfen. Befallene Kastanien sind am geringeren Gewicht und oft auch dunkleren Färbung erkennbar; innen sind sie oft überwiegend zerstört und mit Exkrementen ausgefüllt.

 

Die Kastaniengallwespe

Die Kastaniengallwespe bringt nur eine Generation pro Jahr hervor. Im Zeitraum von Ende Juni bis Ende Juli schlüpfen aus den Gallen die erwachsenen Weibchen (männliche Exemplare sind nicht vorhanden, die Vermehrung erfolgt durch Parthenogenese). Die Kastaniengallwespe ist monophag (d.h. sie befällt ausschließlich Kastanien).
Die Weibchen, die ein wespenähnliches Aussehen haben, sind ca. 2,5 mm lang und weisen eine schwarze Färbung des Thorax und des Abdomen auf. Die restlichen Körperteile sind, mit Ausnahme des dunkelbraunen letzten Thoraxsegmentes, gelblich-braun gefärbt.

Kastaniengallwespe                             Larven der Kastaniengallwespe

Entwicklungszyklus und Symptome
Die Weibchen legen bis zu 25-30 Eier in jede vorhandene Knospe und können insgesamt 100 – 200 Eier produzieren. Nach etwa 40 Tagen wird das erste Larvenstadium erreicht in welchen der Schädling überwintert, äußerlich sind zu diesem Zeitpunkt keine Veränderungen an der Pflanze festzustellen.
Nach Vegetationsbeginn kommt es allerdings zu einer starken Reaktion der befallenen Knospen: innerhalb weniger Wochen bilden sich die charakteristischen Gallen.

Die Gallen können auch an den End- und Seitensprossen der Triebe und auf den Blättern auftreten und bringen in der Folge das vegetative Wachstum zum Stillstand. Der Ertragsausfall kann bis zu 80 % betragen, stärkerer Befall kann sogar zu Absterben der Pflanze führen.

Blattgallen der Kastaniengallwespe können verschieden aussehen.

Im Inneren der Gallen durchläuft die Larve fünf Stadien. Im letzten dieser fünf Stadien ist die Larve weiß, ohne Beine und Augen und füllt das Innere der Galle bereits zur Gänze aus. In weiterer Folge kommt es zur Verpuppung der Larven und zum Schlüpfen der adulten Weibchen.
Die Gallen haben einen Durchmesser von  0,5 – 2 cm, sind anfangs hellgrün, später rötlich gefärbt, schließlich trocknen die Gallen aus, bleiben aber noch das ganze Jahr über sichtbar.

Die Larven der Kastaniengallwespe

Verbreitung
Die Verbreitung des Schädlings erfolgt über kürzere Distanzen durch den Flug der Weibchen, über größere Distanzen durch passive Verschleppung durch den Menschen oder über verseuchtes Vermehrung- und Pflanzmaterial.

Bekämpfung:
Die chemische Bekämpfung der Kastaniengallwespe hat in anderen Ländern nur unzureichende und z. T. sogar überhaupt keine Wirkung gebracht.
In China wurden Versuche mit biologischen Maßnahmen durchgeführt. Die Verbringung eines spezifischen Gegenspielers (Torymus sinensis) in befallenen Anlagen hat durchaus zufrieden stellende Ergebnisse erbracht, ist aber für die Verhinderung der Ausbreitung kaum geeignet und eher als längerfristige Methode zur Eindämmung des Schädlings anzusehen.
Eine vorbeugende Maßnahme gegen eine schleichende Verbreitung des Insekts ist die Verwendung von zweijährigen Vermehrungsmaterial bzw. Pflanzmaterial. Da im Befallsjahr eine Infektion nicht sichtbar wird, ist auch die Möglichkeit einer visuellen Kontrolle nicht gegeben, im zweiten Jahr jedoch wird der Befall sichtbar und kann somit kontrolliert werden.

Bei nachgewiesenem Befall ist das Abschneiden befallener Astpartien und deren Verbrennung eine Möglichkeit, die Ausbreitung des Schädlings zumindest zu verzögern, deshalb ist es wichtig vor allem Neupflanzungen aufmerksam zu kontrollieren.

Gesetzliche Maßnahmen:
Mit Ministerialdekret vom 23. Februar 2006 wurden in Italien gesetzliche Maßnahmen zur obligatorischen Bekämpfung der Kastaniengallwespe erlassen.

Die wichtigsten Bestimmungen darin sind:
- Meldepflicht von Verdachtsfällen an den Pflanzenschutzdienst,
- Die Kontrollen sind vom Pflanzenschutzdienst in Zusammenarbeit mit den Forstbehörden durchzuführen,
- Aus Gebieten, denen das Vorhandensein des Schädlings festgestellt wurde, ist der Abtransport jeglichen Pflanzmaterials, mit Ausnahme der Früchte, verboten.
- In Gebieten mit Befallsherden müssen befallene Pflanzenteile innerhalb 15. Mai eines jeden Jahres eingesammelt und vernichtet werden.
- Baumschulen und Mutterbäume zur Erzeugung von Vermehrungsmaterial müssen wenigstens 10 km von Gebieten entfernt sein, in denen der Schädling nachgewiesen wurde.
- In Verkehr bringen von Baumschulmaterial: Die Baumschuler sind verpflichtet, den jeweils gebietsmäßig zuständigen Pflanzenschutzdiensten unverzüglich die Namen und Adressen der Käufer sowie die Bestimmungen der Ware mitzuteilen.

Meldung verdächtiger Fälle: Landespflanzenschutzdienst, Bozen, Tel. 0471 415140

Erster Befall der Kastaniengallwespe in Südtirol oberhalb Terlan 2008 und deren Sanierung.