Der Eßkastanienbohrer ( Curcullio elephas)
Der etwa 6 – 9 mm große Käfer gehört zu den Rüsselkäfern, d.h. er besitzt einen deutlich erkennbaren dünnen „Rüssel“, auf dem die Mundwerkzeuge sitzen. Sein schädliches Auftreten ist praktisch im gesammten Verbreitungsgebiet der Edelkastanie festzustellen.
Die sehr ortstreuen Käfer schlüpfen von Juni bis Anfang August und stechen die Hauptnerven der Blätter und Früchte an, deren Saft sie dann saugen. Nach etwa 8 – 10 Tagen sind sie geschlechtsreif. Die Eiablage auf den Kastanien erfolgt von August bis in den Oktober.
Ein Weibchen legt etwa 20 Eier, gewöhnlich nur ein Ei je Frucht. Die Entwicklung der Larven dauert im Herbst etwa 4 – 6 Wochen. Die frisch geschlüpfte Larve dringt in die Frucht ein und ernährt sich von dessen Inhalt. Die ausgewachsenen Larven verlasser die vorzeitig abgefallenen Kastanien (an großen Ausbohrlöchern erkennbar) von Oktober bis Mitte November und bohren sich zur Überwinterung oft bis 30 cm tief in die Erde ein. Die Verpuppung erfolgt im darauffolgenden Jahr (Juni – Juli).
Manche Larven können auch überliegen und erst 2 – 3 Jahre später verpuppen bzw. als Käfer schlüpfen. Befallene Kastanien sind am geringeren Gewicht und oft auch dunkleren Färbung erkennbar; innen sind sie oft überwiegend zerstört und mit Exkrementen ausgefüllt.
 
Die Kastaniengallwespe
Die Kastaniengallwespe bringt nur eine Generation pro Jahr hervor. Im Zeitraum von Ende Juni bis Ende Juli schlüpfen aus den Gallen die erwachsenen Weibchen (männliche Exemplare sind nicht vorhanden, die Vermehrung erfolgt durch Parthenogenese). Die Kastaniengallwespe ist monophag (d.h. sie befällt ausschließlich Kastanien). Die Weibchen, die ein wespenähnliches Aussehen haben, sind ca. 2,5 mm lang und weisen eine schwarze Färbung des Thorax und des Abdomen auf. Die restlichen Körperteile sind, mit Ausnahme des dunkelbraunen letzten Thoraxsegmentes, gelblich-braun gefärbt.
 
Kastaniengallwespe Larven der Kastaniengallwespe
Entwicklungszyklus und Symptome Die Weibchen legen bis zu 25-30 Eier in jede vorhandene Knospe und können insgesamt 100 – 200 Eier produzieren. Nach etwa 40 Tagen wird das erste Larvenstadium erreicht in welchen der Schädling überwintert, äußerlich sind zu diesem Zeitpunkt keine Veränderungen an der Pflanze festzustellen. Nach Vegetationsbeginn kommt es allerdings zu einer starken Reaktion der befallenen Knospen: innerhalb weniger Wochen bilden sich die charakteristischen Gallen.
Die Gallen können auch an den End- und Seitensprossen der Triebe und auf den Blättern auftreten und bringen in der Folge das vegetative Wachstum zum Stillstand. Der Ertragsausfall kann bis zu 80 % betragen, stärkerer Befall kann sogar zu Absterben der Pflanze führen.
 
Blattgallen der Kastaniengallwespe können verschieden aussehen.
 
Im Inneren der Gallen durchläuft die Larve fünf Stadien. Im letzten dieser fünf Stadien ist die Larve weiß, ohne Beine und Augen und füllt das Innere der Galle bereits zur Gänze aus. In weiterer Folge kommt es zur Verpuppung der Larven und zum Schlüpfen der adulten Weibchen. Die Gallen haben einen Durchmesser von 0,5 – 2 cm, sind anfangs hellgrün, später rötlich gefärbt, schließlich trocknen die Gallen aus, bleiben aber noch das ganze Jahr über sichtbar.
Die Larven der Kastaniengallwespe

Verbreitung Die Verbreitung des Schädlings erfolgt über kürzere Distanzen durch den Flug der Weibchen, über größere Distanzen durch passive Verschleppung durch den Menschen oder über verseuchtes Vermehrung- und Pflanzmaterial.
Bekämpfung: Die chemische Bekämpfung der Kastaniengallwespe hat in anderen Ländern nur unzureichende und z. T. sogar überhaupt keine Wirkung gebracht. In China wurden Versuche mit biologischen Maßnahmen durchgeführt. Die Verbringung eines spezifischen Gegenspielers (Torymus sinensis) in befallenen Anlagen hat durchaus zufrieden stellende Ergebnisse erbracht, ist aber für die Verhinderung der Ausbreitung kaum geeignet und eher als längerfristige Methode zur Eindämmung des Schädlings anzusehen. Eine vorbeugende Maßnahme gegen eine schleichende Verbreitung des Insekts ist die Verwendung von zweijährigen Vermehrungsmaterial bzw. Pflanzmaterial. Da im Befallsjahr eine Infektion nicht sichtbar wird, ist auch die Möglichkeit einer visuellen Kontrolle nicht gegeben, im zweiten Jahr jedoch wird der Befall sichtbar und kann somit kontrolliert werden.
Bei nachgewiesenem Befall ist das Abschneiden befallener Astpartien und deren Verbrennung eine Möglichkeit, die Ausbreitung des Schädlings zumindest zu verzögern, deshalb ist es wichtig vor allem Neupflanzungen aufmerksam zu kontrollieren.
Gesetzliche Maßnahmen: Mit Ministerialdekret vom 23. Februar 2006 wurden in Italien gesetzliche Maßnahmen zur obligatorischen Bekämpfung der Kastaniengallwespe erlassen.
Die wichtigsten Bestimmungen darin sind: - Meldepflicht von Verdachtsfällen an den Pflanzenschutzdienst, - Die Kontrollen sind vom Pflanzenschutzdienst in Zusammenarbeit mit den Forstbehörden durchzuführen, - Aus Gebieten, denen das Vorhandensein des Schädlings festgestellt wurde, ist der Abtransport jeglichen Pflanzmaterials, mit Ausnahme der Früchte, verboten. - In Gebieten mit Befallsherden müssen befallene Pflanzenteile innerhalb 15. Mai eines jeden Jahres eingesammelt und vernichtet werden. - Baumschulen und Mutterbäume zur Erzeugung von Vermehrungsmaterial müssen wenigstens 10 km von Gebieten entfernt sein, in denen der Schädling nachgewiesen wurde. - In Verkehr bringen von Baumschulmaterial: Die Baumschuler sind verpflichtet, den jeweils gebietsmäßig zuständigen Pflanzenschutzdiensten unverzüglich die Namen und Adressen der Käufer sowie die Bestimmungen der Ware mitzuteilen.
Meldung verdächtiger Fälle: Landespflanzenschutzdienst, Bozen, Tel. 0471 415140
 
Erster Befall der Kastaniengallwespe in Südtirol oberhalb Terlan 2008 und deren Sanierung.
 
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