Fruchtbarkeit der Edelkastanie oder wieso sind manchmal 3 Kastanien im Igel und manchmal 3 „Tschaltschen“ oder „Lugner“ genannt.
Die Edelkastanie war im Laufe ihres Anbaus in unserer Kulturlandschaft laufend einer Selektion unterworfen und wir können annehmen, dass die ortsüblichen Sorten sich auch über Jahrhunderte dort bewährt haben. Wir können also sagen, dass diese Sorten den Ansprüchen des Menschen bis heute genügten und es für einen Anbau und regelmäßigen Ertrag sinnvoll erschien. So können wir feststellen, dass jedes Anbaugebiet immer wieder individuelle Sorten mit verschiedenen Fruchtgrößen und Reifezeiten besitzt und diese auch über lange Zeit schon kultiviert hat, was man an den oft jahrhundertealten Bäumen erahnen kann.
Grundsätzlich kann man die Edelkastanien in eher „wilden“ Zustand, d.h. starke, sichtbare Blüte, starken Wuchscharakter, die Früchte sind eher dunkel. Dann haben wir auf der anderen Seite die stark kultivierten Kastaniensorten: große Kastanien (Marroni) mit guter Schälbarkeit und wenigen Unterteilungen im Fruchtfleisch, in der Farbe eher gelblich (hellbraun), und die Blütenorgane kaum sichtbar. Insgesamt gelten diese gezüchteten Kastanien mit ihren degenerierten männlichen Blütenorganen als keine guten Pollenspender, benötigen also als Befruchter wilde Kastanienbäume mit einer guten Pollenausbildung.
 Bäume mit starker Blüte, neben Bäumen mit schwächer sichtbarer Blüte.
Und dann gibt es noch die Kastanienbäume, die genetisch zwischen dem einen und dem anderen liegen. Zwischen fast wild und fast Marroni kann man in unseren Kastanienhainen alles finden. Die Hauptursache dafür ist, dass unsere Kastanienbäume teilweise ein Kastaniensämling sind und nicht veredelt wurden. Genetisch identische Sorten können nur vegetativ weitergegeben werden, d. h. sie müssen veredelt werden. Falls das Edelreis nicht sortenrein ist, ist es auch folglich nicht die veredelte Sorte. Dabei kann man sehen, wie gut eine Selektion des Vermehrungsmaterials ist. Wenn hier nun schlecht gearbeitet wurde, können auch die nächsten Generationen von Kastanienbauern noch geschädigt sein, und der Profit, den eine gute Sorte erbracht hätte, wäre verloren.
 
Starkblühende Kastaniensorten
Aber bei der Auswahl der richtigen Sorte ist Vorsicht angesagt, weil besonders in Grenzregionen für die Edelkastanie nicht jede Sorte gut ausreift, besonderes in kühleren Jahren. Das heißt, dass die Beobachtung und Vermehrung der heute vorkommenden örtlichen Sorten immer auch in Betracht gezogen werden sollte. Diese alten Bäume sind oft schon viele Jahrhunderte alt und haben sich bis heute vielfacht gut bewährt und deshalb wird man nie einen großen Fehler machen, wenn man die besten Sorten aus dem eigenen Kastanienhain, die man schon lange kennt, bei der Sortenwahl auch berücksichtigt und mitveredelt.
In manchen Gegenden wurden früher auch Sorten zur Herstellung des Kastanienmehls angebaut. Da heute kaum mehr dieses Mehl produziert wird und unsere ganzen Kastanien als Bratkastanien verkauft werden, könnte der ein oder andere Baum auch zum Braten nicht gut geeignete Kastanien tragen, die dann natürlich zu ersetzen wären.
Ein anderes Problem ist oft das vorzeitige Abfallen der Kastanienigel ca. einen Monat vor der Ernte. Auch hier sind besonders die Befruchtungsbedingungen während der Blüte offenbar der entscheidende Auslöser. Schlechte Befruchtung fördert diesen vorzeitigen Fruchtfall. So gibt es Jahre wo ein schwacher Fruchtfall ist und Jahre mit starkem Fruchtfall, wobei bis zu 50 % der Igel abfallen können.
|